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Heidegger verstehen

Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith, Rüdiger Safranski u.a. - Vorträge und Gespräche (Neuauflage)

Autor: Hans-Georg Gadamer, Martin Heidegger, Karl Löwith, Rüdiger Safranski, Peter Sloterdijk
Sprecher: Günther Anders, Max Bense, Heinrich Buhr, Victor Farias, Eugen Fink, Manfred Frank, Hans-Georg Gadamer, André Glucksman, Martin Heidegger, Friedrich Wilhelm von Herrmann, Karl Löwith, Bhikku Maha Mani, Karl Rahner, Rüdiger Safranski, Alfred Schmidt, Walter Schulz, Alexander Schwan, Peter Sloterdijk
ca. 7 Stunden

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Zur Person

Martin Heidegger, *26. September 1889 in Meßkirch, †26. Mai 1976 in Freiburg, war Philosoph. Nach dem Abitur 1909 Studium der Theologie, Naturwissenschaften und Philosophie. 1914 Promotion, 1916 Habilitation in Philosophie. 1919 Assistenzstelle in Freiburg bei Edmund Husserl, ab 1923 außerordentlicher Professor für Philosophie in Marburg. 1927 erscheint Heideggers Hauptwerk Sein und Zeit, mit dem er die Fundamentalontologie begründet. 1928 Nachfolger Husserls in Freiburg. 1933 Eintritt in die NSDAP, Ernennung zum Rektor der Freiburger Universität. Heidegger hält die Rektoratsrede „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“. 1934 Rücktritt vom Rektoratsposten. 1947 Entzug der Lehrerlaubnis durch die französischen Besatzungsbehörden. Nach Aufhebung des Lehrverbots 1950 bis 1967 philosophische Seminare in Freiburg.

Deutschlandfunk über Heidegger verstehen:

Philosophieren im gesprochenen Wort
Heidegger verstehen ist nicht einfach. Was der Quartino-Verlag aus den Schallarchiven süddeutscher Rundfunkanstalten aber zutage gefördert hat, ist Radio in seiner glänzendsten Form und eine verführerische Bildungsveranstaltung.
Florian Felix Weyh, Deutschlandfunk, Büchermarkt am 25.06.2009
Den ganzen Artikel finden Sie auf www.dradio.de

CD 1 | Günther Anders, Max Bense: Gespräch über Martin Heidegger


Erstsendung: 01.10.1953, SDR Einleitung: W. Götze Laufzeit: 43:48

Hintergrund: Günther Anders (1902–1992), Philosoph und Schüler Heideggers, spricht mit Max Bense (1910–1990) Physiker, Mathematiker, Philosoph und Semiotiker. Anlass für das Gespräch ist das Erscheinen der Einführung in die Metaphysik von Martin Heidegger, einer Vorlesung aus dem Jahr 1935.

Inhalt: Das Thema von Heideggers Schriften der letzten dreißig Jahre ist von einer so großen Allgemeinheit, dass die Differenz etwaiger Ansätze der Diskutanten davor verschwindet. Heidegger befragt nicht Sachgebiete, sondern fragt nach dem Sein des Seienden, die allgemeinste Frage, die sich überhaupt stellen lässt. Heidegger spricht dabei über das Sein, als sei es ein Seiendes, denn alle Aussagen, die er über das Seiende macht, etwa dass es scheine, aufgehe, sich verberge, sind Aussagen, die nur über einen Gegenstand gemacht werden können. Die Unterscheidung zwischen Sein und Seiendem ist ohnehin nur möglich, weil wir Menschen frei sind und nicht angewiesen auf dieses oder jenes Seiende. Die Philosophie Heideggers ist damit eine als theoretische Vernunft maskierte Theorie der praktischen Vernunft. Dabei schließt er jedoch die Geschichte der menschlichen Gesellschaft, das Politische, aus. Der Mensch tritt bei Heidegger als Ergänzung des Seins auf. Das Sein hat sich den Menschen selbst geschaffen, um vernommen zu werden. Die Existenz des Menschen bekommt damit wieder einen Sinn.

CD 1 | Karl Rahner: Martin Heidegger zum 75. Geburtstag


Aufnahme: 20.09.1964, SWF Laufzeit: 04:26 Hintergrund: Karl Rahner (1904–1984), katholischer Theologe und Schüler Heideggers, gratuliert zum 75. Geburtstag Heideggers.

Inhalt: Mehr als von allen anderen Lehrern auf seinem Weg hat Karl Rahner von Heidegger gelernt, die Frage als Frage bedenken zu müssen, bevor vorschnell nach der Antwort gegriffen wird. Die Fragen: Welches ist die notwendige Frage? Wie muss die Frage gestellt werden? Was meint die Frage? sind dabei nicht Ausflüchte in die Verantwortungslosigkeit, sondern stammen aus der Erkenntnis, dass die Antwort im Schoß der Frage selbst wohnt und nicht von außen kommt. Zuletzt muss allerdings auch diese Liebe zur Frage nach der Frage noch einmal infrage gestellt werden.

CD 1 | Eugen Fink: Zum 75. Geburtstag von Martin Heidegger


Erstsendung: 27.09.1964, SWF Laufzeit: 16:02

Hintergrund: Eugen Fink (1905–1975), Philosoph und wie Heidegger Schüler von Edmund Husserl, würdigt Heidegger zu dessen 75. Geburtstag. Heidegger selbst empfand diesen Beitrag als „das Beste, was auch der Sache am nächsten kommt“.

Inhalt: Heidegger war besessen vom Problem und konfrontierte jeden Zuhörer mit der Fragwürdigkeit der Sache selbst. Er legte dabei kein System vor, sondern blieb mit seinem Denken immer am Problem selbst. Auch in seinem Leben blieb er nahe am Ursprung, wurzelte im Heimatlichen und griff nach dem weltweiten Sein. Dabei stellte Heidegger seine Person hinter sein Werk zurück. Der Titel seines Hauptwerks Sein und Zeit nennt prägnant das Problem, mit dem er sich beschäftigte. Mit ihren Themen Tod, Geworfenheit, Schuld und Gewissen erregte die Daseinsanalytik das Interesse einer säkularisierten Welt. Heidegger denkt nicht vom seinsverstehenden Menschen auf das Sein hin, sondern fasst das Verhältnis des Menschen zum Sein als eingebettet in das ursprüngliche Verhältnis des Seins zum Menschen auf. Der denkende Mensch kann nur nach dem Sein fragen, weil er in Endlichkeit in dessen Wahrheit versetzt ist. Der Gedanke der Endlichkeit ist der radikalste Urgedanke der Heidegger‘schen Philosophie. Dass die Dinge begrenzt sind, ist ein altes Thema ontologischer Philosophie, doch Heidegger hat nicht nur die Endlichkeit neu herausgearbeitet, sondern zusätzlich den Gegenbegriff des Absoluten erschüttert: Nicht nur der Mensch ist endlich, sondern das Sein selbst schwingt in der Zeit und geschieht als Ereignis.

CD 1 | Walter Schulz: Zur Philosophie von Martin Heidegger


Erstsendung: 26.05.1976, SDR Interview: Alfred Marquart Redaktion: Klaus Metzler Laufzeit: 06:57

Hintergrund: Walter Schulz (1912–2000) Philosoph, wird in einem Telefoninterview am Todestag Martin Heideggers zum Wirken des Philosophen befragt.

Inhalt: Berühmt wurde Martin Heidegger durch sein Hauptwerk Sein und Zeit, in dem eine neue Art des Philosophierens lebendig wurde. Heidegger beschreibt darin ganz unmittelbar Lebensphänomene und fragt nicht nach einem abstrakten Subjekt, das sich auf ein abstraktes Objekt bezieht. Im Zentrum des Heidegger‘schen Denkens steht der Begriff der Sorge. Die Sorge wird als ein die Zeit umfassendes Problem verstanden, da man im Denken an die Zukunft automatisch auch die Vergangenheit mit einbezieht. In Rückerinnerung an die griechischen Philosophen versuchte Heidegger gewisse nazistische Gedanken auf ein höheres Niveau zu bringen, so wenn er neben Arbeitsdienst und Wehrdienst den Wissensdienst an der Universität stellte. Gleichzeitig wandte er sich gegen jede Rassenideologie. Da die Innerlichkeit seiner Philosophie nicht mehr gefragt war, ist es in den Jahren vor seinem Tod jedoch still um Heidegger geworden.

CD 2 | Heinrich Buhr, Hans-Georg Gadamer, Walter Schulz, Alexander Schwan: Martin Heidegger – ein unzeitgemässer und seine Zeit


Erstsendung: 18.09.1976, SDR Regie: Klaus Villinger Redaktion: Marlis Gerhardt Laufzeit: 71:30

Hintergrund: Radiofeature über die Philosophie Martin Heideggers mit Beiträgen von Hans-Georg Gadamer (1900–2002), Philosoph und Schüler Heideggers, Walter Schulz (1912–2000), Philosoph, Heinrich Buhr, evangelischer Theologe und Schüler Heideggers, Alexander Schwan (1931–1989) Politikwissenschaftler, Ursula Langrock, Walter Andreas Schwarz und Robert Seibert.

Inhalt: Martin Heideggers Art, philosophische Fragen zu stellen, hat von Anfang an Kontroversen ausgelöst und vorbehaltlose Zustimmung oder schroffe Kritik erweckt. Neutrale Stellungnahmen zum Werk Heideggers sind dagegen selten. Gegenstand der Kritik war vor allem Heideggers Sprachmanierismus, sein Versuch, etwas auszudrücken, was mit den Mitteln unserer Sprache eigentlich nicht formuliert werden kann. Anders als Wittgenstein, der forderte, über das zu schweigen, worüber man nicht sprechen kann, erfand Heidegger seine eigene Sprache. Damit näherte er sich poetischen Experimenten, entfernte sich jedoch gleichzeitig von den Verständigungssystemen der Wissenschaft. In seinem 1927 erschienenen Hauptwerk Sein und Zeit versuchte Heidegger eine radikale Umformulierung der philosophischen Fragestellung in Richtung einer Konzentration auf die Subjektivität. An die Stelle abstrakter Kategorien tritt die Frage nach der menschlichen Existenz und nach Bedingungen und Möglichkeiten dieser Existenz. Heidegger selbst empfand, dass der Erfolg von Sein und Zeit auf einem Missverständnis beruhte, da das Werk existenziell verstanden worden sei und nicht als Fundamentalontologie, wie es von ihm gemeint war.

CD 3 | Heinrich Buhr, Hans-Georg Gadamer, Walter Schulz, Alexander Schwan: Martin Heidegger – ein Unzeitgemässer und seine Zeit Teil 2


Erstsendung: 18.09.1976, SDR Regie: Claus Villinger Redaktion: Marlis Gerhardt Laufzeit: 46:24 CD 3 | Rüdiger Safranski: Mut zur Angst – Heidegger auf dem Zauberberg Sendung: 24.05.2001, SWR Redaktion: Stephan Krass Laufzeit: 28:58

Inhalt: In Sein und Zeit arbeitet Heidegger an dem philosophischen Nachweis, dass menschliches Denken keinen anderen Halt hat als dieses „da“, das es zu sein hat. Er setzt damit in gewissem Sinne die Arbeit Nietzsches fort: den Tod Gottes denken und die letzten Menschen kritisieren, die sich mit kümmerlichen Ersatzgöttern behelfen und das Entsetzen über das Verschwinden Gottes gar nicht zulassen. Die Formel, die Heidegger für dieses Entsetzen gebraucht, lautet: Mut zur Angst. Die Angst ist die umschattete Königin unter den Gefühlen und ist von der Furcht, die sich auf etwas Bestimmtes richtet, zu unterscheiden. Das Wovor der Angst ist die Welt als solche. Die Angst vereinzelt in zwei Hinsichten: Sie zerreißt das Band zum Mitmenschen und lässt den Menschen herausfallen aus den Vertrautheitsbezügen zur Welt. Gleichzeitig erfährt der Mensch durch die Angst die eigene Freiheit, sodass Angst nicht nur Weltangst, sondern auch Angst vor der Freiheit ist. Im Frühjahr 1929 erläutert Heidegger seine Philosophie in einem Streitgespräch mit Ernst Cassirer (1874–1945) vor internationalem Publikum in Davos. Dieser Dialog erinnerte Teilnehmer nicht ohne Grund an die große Auseinandersetzung zwischen dem Aufklärer Settembrini (Cassirer) und dem Jesuiten Naphta (Heidegger), zwei Figuren, die Thomas Mann fünf Jahre zuvor in seinem Zauberberg entworfen hatte.

CD 3 | Rüdiger Safranski: Die Frage nach dem sein – Der Meisterdenker Martin Heidegger


Erstsendung: 27.05.2001, SWR Redaktion: Stephan Krass Laufzeit: 28:28

Inhalt: Obwohl Adorno in Heideggers Schriften und Jargon faschistisches Gedankengut aufspürte, stellen beide Philosophen der Moderne eine ähnliche Krankheitsdiagnose aus. Heidegger spricht vom neuzeitlichen Aufstand des Objekts und beschreibt damit einen Vorgang, der auf das Subjekt zurückschlägt, sodass dieses sich nur noch als Ding unter Dingen verstehen kann. In Adornos und Horkheimers Dialektik der Aufklärung findet sich derselbe Grundgedanke: Die Gewalt, die der neuzeitliche Mensch der Natur zuführt, kehrt sich gegen die Natur des Menschen. Bei Heidegger heißt es: Die Welt wird zum verfügbaren Gegenstand, zum Bild für das Herstellen. Adorno und Horkheimer sagen: Die Vermehrung ihrer Macht bezahlen die Menschen mit der Entfremdung von dem, worüber sie Macht haben. Als Heidegger 1949 erklärte: Ackerbau ist jetzt motorisierte Ernährungsindustrie und im Wesen dasselbe wie die Fabrikation von Leichen in Gaskammern, löste diese Äußerung große Empörung aus. Dabei war Heideggers Äußerung an dem kategorischen Imperativ orientiert, den Adorno so formulierte: Man muss das Denken und Handeln so einrichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole. Heidegger empfand sein Seins-Denken als eine Überwindung des Willens zur Macht, der zur Katastrophe geführt hatte. Dieses Denken steht Adornos Denken der Nicht-Identität nicht allzu fern. Das Denken der Nicht-Identität verstand er als ein Denken, das die Dinge und Menschen in ihrer Einmaligkeit gelten lässt und sie nicht identifizierend reglementiert. Bei Heidegger ist das ein eröffnendes Denken, worin das Seiende sich zeigen kann, ohne vergewaltigt zu werden.

CD 4 | Alfred Schmidt: Die Frankfurter Schule und Heidegger


Erstsendung: 18.02.1996, SWF Laufzeit: 29:14

Inhalt: Die Gegnerschaft zwischen der Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer und Heidegger ist bekannt. Zu einem Dialog zwischen den beiden Denkrichtungen kam es dabei nie. Beide philosophierten beziehungslos nebeneinander her. In Anbetracht der Tatsache, dass Adorno Heidegger zeitlebens philosophisch bekämpfte, ist es erstaunlich zu erfahren, auf welcher minimalen Kenntnis diese Feindschaft beruhte. Heidegger wiederum reagierte nie auf die vorgebrachte Kritik und nahm die Literatur über sein Werk nicht weiter zur Kenntnis. Hermann Mörchen spricht in diesem Zusammenhang von Kommunikationsverweigerung und deckt Konvergenzen im Denken der beiden Philosophen auf. Horkheimers Aufsatz „Geschichte und Psychologie“ von 1932 kann als eine erste philosophische Auseinandersetzung mit dem in Heideggers Werk Sein und Zeit dargelegten Geschichtsverständnis gelten. Horkheimer kritisiert dabei den fundamentalontologischen Ansatz Heideggers, ganz von vorn anzufangen und den Sinn des Seins unabhängig vom Stand der gegenwärtigen Forschung neu zu bestimmen. Nach Horkheimers Meinung ist das Dasein jedoch nicht unabhängig von der äußeren Bestimmung, sondern unentwirrbar mit ihr verflochten.

CD 4 | Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Rüdiger Safranski, Peter Sloterdijk: Mit dem Alten Meister auf neuen Denkwegen


Erstsendung: 25.05.2001, SWR Gesprächsleitung: Werner Witt Redaktion: Ursula Nusser Laufzeit: 43:44

Hintergrund: Zum 25. Todestag Martin Heideggers diskutieren über die Aktualität des Philosophen: Peter Sloterdijk ( *1947), Philosoph und Essayist, Rüdiger Safranski (*1945), Philosoph und Schriftsteller und Friedrich-Wilhelm von Herrmann (*1934), Philosoph, Privatassistent von Heidegger.
Inhalt: Es gibt inzwischen mehrere eingefahrene Straßen zu Heidegger hin, aber auch von Heidegger weg. Eine der beliebtesten Umfahrungsstraßen ist das Thema 1933, das besonders bei denen eine große Rolle spielt, die mit der Philosophie der Frankfurter Schule groß geworden sind, weil sie spüren, dass die Einseitigkeit dieses Impulses durch eine andere Version von großer kritischer Theorie ergänzt werden muss. Heidegger wird dadurch zu einem Faszinosum, weil er durch das anzieht, mit dem er abstößt. Er greift die Grundfragen der abendländischen Philosophie auf und bringt sie in eine weitgehend metaphysische Stellung. Er fordert und praktiziert eine Gelassenheit gegenüber der Technik. In gewissem Sinn hat Heidegger das religiöse Gebot, sich kein Bildnis von Gott zu machen, radikalisiert und auf den Menschen übertragen, weil man durch eine etwaige Definition das Offene des Menschen in seiner Selbstbeschreibung verdinglicht. So konnte auch die Psychoanalyse das Denken Heideggers für sich nutzbar machen und sich von einigen Dogmen des Freudianismus befreien. Die phänomenologische Achtsamkeit Heideggers wendet sich dabei gegen Konstruktionen und betont die Achtsamkeit, wie sie sich etwa in der Daseinsanalyse niederschlägt.

CD 5 | Karl Löwith: Zum 70. Geburtstag von Martin Heidegger


Erstsendung: 21.09.1959, SWF Redaktion: Büchler Laufzeit: 16:02

Hintergrund: Eine kritische Würdigung von Karl Löwith (1897–1973), Philosoph und Schüler Heideggers.

Inhalt: Die Kraft von Heideggers Wirkungsweise äußert sich vor allem darin, dass sich an ihm die Geister sowohl zusammenfinden als auch scheiden. Heideggers gesamtes Werk ist eine Herausforderung und ein Angriff auf die Welt. Dabei sind Heideggers Einfluss und Ruhm an eine spezifische Epoche gebunden, die der Zwanzigerjahre, in denen es vor allem um Aufbruch und Veränderung ging. Heideggers Ontologie kennt kein griechisch gedachtes immer seiendes, unzerstörbares Sein, vielmehr ist Sein ein Wort für das, was jetzt und zukünftig ist. Also ein Hinweis auf den geschichtlichen Augenblick unserer Weltzeit.

CD 5 | Victor Farias, Manfred Frank, André Glucksmann, Hugo Ott: Martin Heidegger und der Nationalsozialismus


Erstsendung: 29.01.1988, SWF Gesprächsleitung: Stephan Krass Laufzeit: 39:08

Hintergrund: Victor Farias (*1940), Philosoph und Historiker, Manfred Frank (*1945), Philosoph, André Glucksmann (*1937), Philosoph und Essayist, und Hugo Ott (*1931), Historiker, diskutieren zum Anlass des Erscheinens von Victor Farias’ Buch Heidegger et le Nazisme über die nationalsozialistische Vergangenheit des Philosophen.

Inhalt: Obwohl die Fakten über Heideggers nationalsozialistische Vergangenheit bekannt sind, erregt das Buch von Farias erneutes Aufsehen, da immer noch Fragen offen sind, die von den Akademikern noch nicht beantwortet sind. Diese Fragen lauten zusammengefasst: 1. Was denkt Heidegger als Vordenker des Faschismus? Wie also bereitet Sein und Zeit die Rektoratsrede vor? 2. Was denkt Heidegger während der Hitlerzeit? Wie also denkt er den Faschismus und entwickelt aus diesem Denken seine Auffassung von Nietzsche? 3. Warum spricht Heidegger nach 1946 nie über Auschwitz und nie über den Nationalsozialismus? Die Fragen richten sich einmal an Heidegger als Vordenker, Heidegger als Denker und Heidegger als Nachdenker bzw. Nicht-Denker. Heidegger ist der letzte Meisterdenker und führt die Tradition von Hegel, Fichte und Marx fort, da er wie diese Antisemit ist. So hängt die Frage Heideggers eng mit der Unfähigkeit, den Nationalsozialismus zu denken, zusammen. Es gibt einen gewissen Rassismus bei Heidegger, der nicht biologisch ist, sondern in der kulturellen und sprachlichen Überlegenheit des deutschen Geistes fußt. Seinsverständnis ereignet sich nach Heidegger nur im Rahmen der Sprache, die Sprache ist das Haus des Seins. Umgekehrt ist in Heideggers Werk die Biologie so abwesend, dass es beinahe an Naivität grenzt. Der Grund, warum Heidegger nichts über Hitler und Auschwitz zu sagen hatte und sich auch nicht zu seiner eigenen Verbindung zum Nationalsozialismus äußerte, liegt in seiner Philosophie der Technik nach 1946 begründet, denn das Gestell, die Technik, hatte alles Grauen angerichtet. Polemisch könnte man Heideggers Rechtfertigung so formulieren: Die Technik ist ein schlechter Gott, der alles macht, während ich als Denker nichts mache. Dies wiederum führt zu Heideggers Satz: Nur noch ein Gott kann uns retten, oder anders ausgedrückt: Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Somit ist Heidegger der Vater aller Denker, die keine Verantwortung übernehmen.

DVD | Heidegger über Hebel: Johann Peter Hebel – Der Hausfreund


Erstsendung: 10.05.1960, ARD/SWF Autor: Martin Heidegger Kamera: Sepp Allgeier Schnitt: Agathe Baum Sprecher: Martin Heidegger Laufzeit: 38:00

Inhalt: Heidegger beschäftigt sich in seinem selbst vorgetragenen Text mit dem Dichter Johann Peter Hebel. Hebel ist für Heidegger kein bloßer Dialekt- und Heimatdichter, sondern ein weltweiter Dichter. Er ist der Hausfreund, ein Name, den Hebel für den von ihm herausgegebenen Rheinländischen Kalender wählte. In diesem Kalender zeigt Hebel die Natur in ihrer wissenschaftlichen Berechenbarkeit. Durch diesen Vorgang gelangt er zum Wesenhaften und holt die Natur in ihre eigentliche Natürlichkeit zurück.
Veröffentlichung mit Genehmigung der J.G.Cotta‘schen Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart

DVD | Martin Heidegger und Bhikku Maha Mani: ein Interview


Erstsendung: 28.09.1964, ARD/SWF Regie: Theo Ott Kamera: Thomas Varhelyi Schnitt: Hartinger Laufzeit: 15:42

Inhalt: In seinem Gespräch mit dem buddhistischen Mönch Bhikku Maha Mani erläutert Heidegger die Frage nach dem Sein. Diese Frage wurde im bisherigen abendländischen Denken nie gestellt. Sie ist jedoch von großer Bedeutung, weil gerade in der westlichen Philosophie das Wesen des Menschen dadurch bestimmt wird, dass der Mensch im Bezug zum Sein steht. Der Mensch existiert, indem er dem Sein entspricht.

Das SWR-Archiv möchte mit dieser und weiteren Veröffentlichungen diejenigen erreichen, die Bildung als Grundlage des gesellschaftlichen Lebens wertschätzen. Mit seinem Engagement leistet das SWR-ARCHIV einen Beitrag, den Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu erfüllen. In einer Kombination aus Ton- und Filmaufnahmen, die durch historisches Schriftgut ergänzt werden, will das SWR-ARCHIV Sachthemen, Personen und ihr Werk sowie Zeitereignisse ins Bewusstsein rücken. Die selbst gesetzten Kriterien sind die Bedeutung des Themas oder der Person, Qualität und Repräsentativität der Rundfunkbeiträge und deren multimediale Präsentation. Seit über sechzig Jahren wählen die Rundfunkarchive des SÜDWESTRUNDFUNKS Aufnahmen zu den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Ereignissen aus und archivieren sie. Bis 1998 geschah dies durch die Vorgängersender Süddeutscher Rundfunk und Südwestfunk. Seit der Fusion dieser beiden Rundfunkanstalten kann die Hauptabteilung Dokumentation und Archive des SÜDWESTRUNDFUNKS heute auf ein umfangreiches selektiertes Repertoire archivierter Sendungen von zwei öffentlich-rechtlichen Sendern zurückgreifen.

© Produktionen des Südwestrundfunks 2009
Bookletredaktion: Frank Witzel
© Quartino GmbH, München 2009