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Wunderwerk Gehirn

Die Welt der kleinen grauen Zellen

Autor: Irene Klünder, Frank Schüre, Uwe Springfeld, Gábor Paál, Claudia Wassmann, Eva Schindele
Sprecher: Frank Stöckle, Krista Posch, Tobias Lelle, Jan Schreiber, Andrea Hörnke-Trieß
ca. 330 Minuten

Unser Denkorgan als letztes Tabu? Weshalb? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil das Gehirn die zentrale Schaltstelle ist, der wir alles verdanken, was wir denken und fühlen. Doch da dieses Denken keinerlei Grenzen zu kennen scheint, macht es auch vor sich selbst nicht halt. Vermag Gott einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er selbst ihn nicht zu heben vermag? Diese Frage beschäftigte den Menschen des Mittelalters. Die Frage des 21. Jahrhunderts lautet: Können wir das eigene Denken denkend entschlüsseln?
Das Gehirn ist ein riesiger Speicher, dem eine eigentümliche Logik innewohnt, mit der sogar das strikte Denken der Computer schachmatt zu setzen ist. Doch gleichzeitig ist dieses Kontrollzentrum anfällig für Irrtümer, Vergesslichkeiten und Verdrehungen von Tatsachen. Doch halt! Tatsachen? Gibt es denn etwas anderes, als das, was unser Gehirn uns vermittelt? Und wem vermittelt es dieses Gehirn? Sind wir denn jemand anderer als unser Gehirn? Sind wir nur der Körper, der dieses Gehirn spazieren trägt, es ernährt und pflegt, damit es für uns denkt? Oder ist das Gehirn ein gigantischer Auswuchs, eine Fehlentwicklung der Natur, die uns mehr Probleme schafft als löst?
Überall wartet Neues, Unerwartetes und Spannendes, wenn man sich mit Forschern und Experten auf Entdeckungsfahrt begibt, um den unbekannten Raum in uns auszuloten.
Eine fesselnde, die kleinen grauen Zellen belebende Hörserie!

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CD 1:


1 | Die kleinen grauen Zellen – Entwicklungsgeschichte des Gehirns
Nervensysteme gibt es seit rund einer Milliarde Jahren, Wirbeltiergehirne etwa halb so lang. Und das Gehirn von Säugetieren ist etwa 150 Millionen Jahre alt. Am Anfang war die Spezialisierung. Einige Zellen waren für Licht empfänglicher, die anderen für Geruch. Aus wiederum anderen Zellen bildeten sich Vorläufer unserer Muskeln. Eine wichtiges Bindeglied sind die Mittlerzellen, die sensorische Reize weitergeben und Reaktionen hervorrufen. Eigentlich ist das Prinzip der Reizweiterleitung beim Wurm und beim Menschen nicht unterschiedlich, nur dass der Mensch ein komplexes Netzwerk von 100 Milliarden Neuronen entwickelt hat.

2 | Überall und nirgendwo – Karten des Geistes
Kein anderes Organ wirkt so abgeschottet wie das knochengepanzerte Gehirn. Erst seit zweihundert Jahren verschwinden nach und nach die weißen Flecken von der Landkarte der Neurowissenschaften. Doch obwohl einige geistige Leistungen inzwischen bestimmten Regionen zugeordnet werden können, lässt sich das Knäuel aus zehn Milliarden Nervenzellen in kein sauber abgegrenztes und zuverlässiges Kartenwerk gliedern. Gefühl und Intuition in der rechten Gehirnhälfte, rationale Entscheidungen in der linken? Der drei Pfund schwere Mikrokosmos in unserem Schädel ist weitaus komplexer und - im wahrsten Sinne – durchdachter, als wir uns vorstellen können.

CD 2:


3 | Kleinhirn an Großhirn – Die Sprache der Neuronen
Auf mikroskopischer Ebene scheint alles klar zu sein: Der Grundbaustein des geistigen Apparats ist das beständig sich verausgabende Neuron. Das Gehirn arbeitet demnach wie ein endloses Großfeuerwerk aus zehn Milliarden Nervenzellen, die untereinander wiederum über chemische Botenstoffe kommunizieren. Neurobiologen zufolge liegt die Sprache der Neuronen allen menschlichen Regungen zugrunde – geistigen wie körperlichen. Doch wie wird dieses Nervenfeuer koordiniert, wie entsteht daraus ein sinnvolles Ganzes, die Spur eines Eindrucks? Und lassen sich mit diesem Konzept tatsächlich sämtliche Gefühlsregungen und geistigen Leistungen erklären?

4 | Drinnen und draußen – Entsteht die Welt im Kopf?
Jeder Mensch erlebt sich gewöhnlich als Einheit. Doch um diese Einheit herzustellen, sind viele Jahre der Entwicklung nötig. Wann sagt ein Kind zum ersten Mal „ich“? Und was meint es, wenn es sich so bezeichnet? Ohne uns selbst und die Welt als objektiv gegeben zu betrachten, scheint ein Leben für uns nicht möglich. Gleichzeitig lassen sich unsere Sinne leicht täuschen, wir wissen mittlerweile, dass die Umsetzungen von Sinneseindrücken in unserem Gehirn immer auch Interpretationen sind.

CD 3:


5 | Geistige Schöpfungen – Wie lernt der Mensch
Lernen und Erinnern sind die Grundbausteine des geistigen Fortschritts. Jegliche kulturelle Entwicklung beruht darauf, dass einmal Gedachtes überliefert wird und erhalten bleibt. Beim einzelnen Menschen ist es nicht anders. Durch neue Messverfahren haben Wissenschaftler in den letzten Jahren sehr viel über die Vorgänge beim Lernen herausgefunden. Zugleich traten dabei auch einige Merkwürdigkeiten auf, die die Idee vom Gehirn als simplem Informationsspeicher in Frage stellen.

6 | Denken in Silizium – Maschinenträume
Die Erkenntnisse der Hirnforscher haben immer auch die Phantasie der Techniker beflügelt. Elektronische Apparate können heute Sprachen übersetzen, Muster erkennen, Ball spielen und sich aufgrund von Erfahrungen Expertenwissen aneignen. Umgekehrt dokumentiert die Sprache der "Künstlichen Intelligenz" die jeweiligen biologischen Vorstellung der Zeit: vom "Elektronengehirn" zum "Neuronalen Netz". Die Kognitionstechniker müssen dabei immer wieder ihre Grenzen neu bestimmen, denn wie weit sich das menschliche Gehirn auf technische Systeme übertragen lässt, bleibt eine immer wieder neu zu beantwortende Frage.

CD 4:


7 | Ich fühle, also bin ich – Emotionen
Freude und Trauer, Schmerz und Wohlbefinden, Angst und Hoffnung - die Forschung über die Wurzeln dieser Gefühlszustände hat vor allem eins zu Tage gebracht: Emotionale und rationale Vorgänge lassen sich nicht mehr voneinander trennen. Gefühle sind keine archaischen Begleiterscheinungen, sondern beeinflussen das vermeintlich logisch-vernünftige Denken sehr viel stärker als man früher annahm. So sprechen Forscher heute gern von "Affektlogik" und "Emotionaler Intelligenz" und schließen auch früher oft verschmähte Begriffe wie Eingebung und Intuition nicht länger aus.

8 | Wer knackt die Nuss? – Das Rätsel des Bewusstseins
Trotz großer Hoffnungen ist das Phänomen des Bewusstseins noch immer ungeklärt. Es ist das größte Rätsel, das vom alten "Leib-Seele-Problem" übrig geblieben ist: Die Entdeckung des Unbewussten durch die Psychoanalyse hat das Problem des Bewusstseins eher noch kompliziert, denn ob das Unbewusste wirklich existiert und ob wir es, wenn ja, überhaupt erkennen können, sind Fragen, mit denen die Forschung sich schnell im Bereich der Spekulation wieder findet. Wenn wir vom Bewusstsein sprechen, müssen wir auch die Bereiche Vergessen, Erinnern, Irren, Wollen und Hoffen mit einbeziehen, da es gerade diese Empfindungen sind, die unser Bewusstsein trüben.

CD 5:


9 | Ganz woanders im Hier und Jetzt – Zwischen Traum und Ekstase
In jeder Kultur, mag sie noch so restriktiv sein, gibt es Zeiten, in denen dem Heraustreten aus der Norm ein Raum gewährt wird. Seien es die unmäßigen Feiern, die dem Fasten vorausgehen oder folgen, sei es die gemeinsam erlebte Hysterie bei Wettkämpfen und Veranstaltungen. Indem wir unser Selbstbild im Rausch aufgeben, scheinen wir uns dem Anderen unwillkürlich anzunähern. Unsere Identitäten verschmelzen. Doch zum Rausch gehört der Kater, zum Traum das Erwachen. Dabei müssen diese beiden Bereiche vielleicht gar nicht strikt getrennt bleiben, könnten wir aus unseren Erfahrungen von dem einen Bereich für den anderen lernen.

10 | Wer ist wer? – Die Frage nach der Identität
Einerseits wird das Gehirn als Sitz der Identität angesehen, der Tod als Ausfall der Gehirnfunktion definiert. Andererseits werden gezielt Versuche mit Gehirngewebeverpflanzungen gemacht. Dazwischen gibt es Grenzbereiche, wie etwas das Wachkoma, in denen der Unterschied zwischen lebendig und tot nicht ohne weiteres zu bestimmen ist. Doch selbst in viel banaleren Situationen sind wir ständig mit der Frage nach unserer Identität beschäftigt, etwa wenn wir über unseren Körper sprechen, als sei er etwas Fremdes, oder eine Psyche definieren, die wir nur schwer genau umreißen können. Ist Identität am Ende nur ein weiterer Begriff, der sich bei genauerem Hinsehen auflöst?

CD 6:


11 | Eile mit Weile – Wege aus der Verkopfung
Neuronensalven, chemische und elektrische Entladungen, erregende und hemmende Impulse. Hirntätigkeit als reiner Nervenkitzel, so die Bilder der Forschung. Unser Gehirn scheint ständig in Bewegung und selbst nachts noch damit beschäftigt, uns Traumbilder vorzugaukeln und die Mühen des Tages zu verarbeiten. Doch was geschieht im Gehirn, wenn es still wird? Nicht nur Poeten und Flaneure, auch Wissenschaftler und Mediziner entdecken zunehmend die Chancen, die in der Langsamkeit, der langen Weile, stecken. Denn erst aus Entspannung entsteht Kreativität, aus dem Nichtstun Leistung.

12 | Vom Menschen zur Menschheit – Vom Erkennen zur Erkenntnis
Der Mensch kann über seine Geschichte nachdenken und in gewissem Maße aus seinen Problemen lernen. Gleichzeitig wird uns jeden Tag das Gegenteil vor Augen geführt. Immer wieder begehen Menschen dieselben Fehler, scheint sich die Geschichte oft rückwärts und gegenläufig zu entwickeln. Kann man dennoch von einem kulturellen Gedächtnis sprechen, das sich fortentwickelt? Und welche Wege führen vom Erkennen zur Erkenntnis?

Regie: Iiris Arnold
Redaktion: Detlef Clas, Gábor Paál

Die Interviewpartner:
Niels Birbaumer – Verhaltensneurobiologe, Tübingen; Katharina Braun – Biologin, Magdeburg; Olaf Breidbach – Wissenschaftshistoriker, Jena; Thomas Christaller – Informatiker, Bonn; Antonio Damasio – Neurologe, Iowa; Klaus Dörner – Psychiater, Witten-Herdecke; Peter Eckmiller – Informatiker Bonn; Hinderck Emrich – Neurologe und Psychiater, Hannover; Hans Grewel – Theologe, Dortmund; Fritz Henn – Neurologe und Psychiater, Mannheim; Klaus-Peter Hoffmann – Neurobiologe, Bochum; Friedrich Kittler – Kulturwissenschaftler, Berlin; Detlef Linke – Neurologe, Bonn; Hans Markowitsch – Psychologe, Bielefeld; Thomas Metzinger – Philosoph, Bremen; Roger Penrose – Mathematiker, Oxford; Gerhard Roth – Hirnforscher, Bremen; Rupert Sheldrake – Biologe, Cambridge; Ingrid Schneider – Publizistin, Hamburg; Almut Schütz – Biologin, Tübingen; Insa Schulz – Synästhetikerin und Psychologin, Bremen; Petra Stoerig – Psychologin, Düsseldorf; Christoph von der Mahlsburg – Neuroinformatiker, Bochum; Gisela und Gerald Weischede – Zen-Lehrer, Johanneshof